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Lass uns das bald machen

Warum die meisten Vorsätze nicht an fehlender Motivation scheitern, sondern an ihrer Form.


in guter Freund von mir und ich haben uns vor etwa zwei Jahren in den Kopf gesetzt, regelmäßig wandern zu gehen.

Die Idee begeisterte uns beide, wir stellten uns ähnlich vor, was Bewegung in der Natur für uns bedeuten würde, und warfen schnell ein paar grobe Pläne hin.


”Lass uns das bald machen”, sagten wir am Ende des Abends, stießen an, und wir meinten es wirklich.



Wir sind seither nicht ein einziges Mal gemeinsam wandern gegangen.


Das ist kein Drama, niemand ist beleidigt, unsere Freundschaft ist davon nicht beschädigt.

Und doch beschäftigt mich diese kleine Geschichte, weil sie für etwas steht, das ich in meinem Leben oft beobachte. Wir machen einander Versprechen, die wir in dem Moment, in dem wir sie äußern, wirklich ernst meinen.


Und dann verschwinden sie. Nicht weil jemand vergisst. Sondern weil zwischen dem Versprechen und seiner Umsetzung kein Brückenstück gespannt wurde, an dem es sich hätte festhalten können.


Der Psychologe Peter Gollwitzer hat dafür eine sehr einleuchtende Erklärung.Er hat in jahrelanger Forschung gezeigt, dass die meisten Vorsätze nicht an fehlender Motivation scheitern, sondern an ihrer Form.


Wer sich vornimmt, “bald” etwas zu tun, hat keinen Plan, sondern eine Stimmung.

Stimmungen halten selten lange genug an, um Verhalten zu prägen.


Was Vorsätze tragen lässt, sind nicht warme Gefühle, sondern konkrete Verabredungen mit der Wirklichkeit.

Ich denke oft an die Versprechen, die ich in meinem Leben gemacht und nicht eingelöst habe.


Nicht die großen, gewichtigen, die einem die Welt verändern. Die kleinen, die zwischen Menschen geknüpft werden und dann auf dem langen Weg in den Alltag verloren gehen. “Wir müssen unbedingt mal wieder zusammen essen.” “Ich melde mich bei Dir.” “Lass uns das im Sommer angehen.”


Diese kleinen Versprechen klingen unverbindlich, und genau das ist ihr Problem. Sie verpflichten zu nichts, weil sie nicht spezifisch sind.Sie verbinden zwei Menschen für einen Moment, ohne dass die Verbindung in der Zeit Bestand hätte. Und wenn sie nicht eingelöst werden, fühlt sich niemand schuldig, weil es ja eigentlich auch nichts Konkretes war, was wir uns versprochen haben.


Und doch geht etwas verloren, jedes Mal.


Nicht viel, kaum spürbar im einzelnen.Aber in der Summe, glaube ich, lebt vieles unter unserer Wahrnehmung.Wir haben den Eindruck, viele Bindungen zu haben, weil wir oft Pläne machen. In Wirklichkeit haben wir viele Stimmungen, die sich nie zu Begegnungen verdichten.


Was ich mir seitdem immer wieder selbst rate: Falls ich einer Person etwas Bestimmtes zusagen will, dann muss es konkret sein.

Ein Datum, eine Uhrzeit, ein Ort.


Sonst lieber ein ehrliches “Ich würde das gerne, aber ich kann jetzt nicht zusagen, wann.”

Das mag weniger warm klingen. Es ist aber wahrer. Und Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist, schützt Beziehungen besser als gut gemeinte Unverbindlichkeit.


Und das gilt genauso im beruflichen Kontext.


Übrigens:

Mein Freund und ich haben vor zwei Wochen wieder einen Anlauf genommen. Diesmal mit Datum …

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