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Preview: Die kluge Abkürzung

11. Juli
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Aug.

Warum Heuristiken oft klüger sind als vollständige Analysen


Stellen Sie sich zwei Führungskräfte vor, die vor derselben Entscheidung stehen. Die eine sammelt jede verfügbare Kennzahl, vergleicht Optionen in einer Matrix mit zwanzig gewichteten Kriterien und bittet um eine Woche Bedenkzeit. Die andere hört zwei Sätze, trifft eine Entscheidung innerhalb einer Minute und geht zur nächsten Aufgabe über.


Welche der beiden hat die bessere Entscheidung getroffen?


Die intuitive Antwort lautet vermutlich: die erste, denn Sorgfalt zahlt sich aus. Doch die Entscheidungsforschung der letzten vierzig Jahre erzählt eine deutlich kompliziertere Geschichte.

In vielen Situationen, gerade in komplexen und ungewissen, schneidet die schnelle Entscheidung nicht schlechter ab als die gründliche.

Manchmal schneidet sie besser ab.


In der letzten Folge dieser Reihe ging es um die Schattenseite unseres Denkens: Bestätigungsfehler, Ankereffekt, Sunk Cost Falle.

Drei Beispiele dafür, wie mentale Abkürzungen, sogenannte Heuristiken, uns in die Irre führen können.


Heute geht es um die andere Seite derselben Medaille. Denn dieselben Heuristiken, die uns in bestimmten Situationen täuschen, sind in anderen Situationen genau die überlegene Strategie.


Kernthese


Die These dieses Artikels lässt sich pointiert formulieren:


Je komplexer und ungewisser eine Entscheidungssituation ist, desto weniger hilft zusätzliche Information, und desto mehr gewinnt die einfache Faustregel gegen das aufwendige Modell.

Der Entscheidungsforscher Gerd Gigerenzer hat dafür einen Begriff geprägt, der zunächst paradox klingt: den Weniger ist mehr Effekt.

Er beschreibt damit empirisch belegte Fälle, in denen eine einfachere Regel, die bewusst auf Information verzichtet, zuverlässiger zu guten Urteilen führt als ein Modell, das alle verfügbaren Informationen berücksichtigt.

Das ist kein Plädoyer für Oberflächlichkeit. Es ist ein nüchterner Befund darüber, wie Urteilsvermögen unter Unsicherheit tatsächlich funktioniert.


Um diese These zu verstehen, brauchen wir zunächst eine Abgrenzung, die im allgemeinen Sprachgebrauch oft verloren geht.

Als Daniel Kahneman und Amos Tversky in ihrem wegweisenden Aufsatz von 1974 den Begriff der Heuristik in die Entscheidungsforschung einführten, meinten sie damit zunächst neutral: mentale Abkürzungen, mit denen Menschen unter Unsicherheit urteilen, anstatt jede Wahrscheinlichkeit exakt zu berechnen.


Dass diese Abkürzungen auch zu systematischen Fehlern führen können, war ihre zentrale Entdeckung, und sie prägte jahrzehntelang das Bild der Heuristik als Fehlerquelle.

Die neuere Forschung, die dieser Artikel vorstellt, ergänzt dieses Bild um die andere Hälfte: dieselben Heuristiken sind unter den richtigen Bedingungen bemerkenswert leistungsfähig.


Begriffsklärung: Heuristik und Bias sind nicht dasselbe


Ab hier geht dieser Beitrag in die Tiefe. Im weiteren Verlauf lesen Sie, wie ein Experiment von Gerd Gigerenzer zeigte, dass Unwissenheit unter bestimmten Bedingungen zu treffsichereren Urteilen führt als Expertenwissen.


Was Gary Kleins Studien an amerikanischen Feuerwehrkommandanten über schnelles, erfahrungsbasiertes Entscheiden verraten.


Unter welchen zwei Bedingungen Daniel Kahneman und Gary Klein in ihrer gemeinsamen Arbeit von 2009 Intuition für verlässlich erklärten, und wann nicht.


Und was Robin Hogarths Unterscheidung zwischen "gutartigen" und "bösartigen" Lernumgebungen für Ihre eigenen Entscheidungen bedeutet.


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